Pressemitteilungen

01.02.2013 | 10 000 Euro für das Krebszentrum

Kieler Nachrichten vom 01.02.2013

Sport zum Leben

- so heißt das Projekt am Krebszentrum Nord des Universiätsklinikums, für das sich Kieler Rudervereine auch im vergangenen Jahr in die Riemen legten. Das Ergebnis: Vertreter der Rudergesellschaft Germania Kiel, des Ersten Kieler Ruder Clubs und der Stiftung "Leben mit Krebs" konnten einen Scheck in Höhe von 10000 Euro für das Krebszentrum Nord übergeben. 8000 Euro waren bei der Benefizregatta "Rudern gegen Krebs" zusammengekommen, 2000 Euro steuerte die Stiftung bei.
Dass der Scheck im Amtszimmer von Ministerpräsident Torsten Albig den Besitzer wechselte, hatte einen guten Grund. Als Kieler Oberbürgermeister hatte Albig die Ruderregatten seit 2010 als Schirmherr begleitet.
Für das Krebszentrum waren Prof. Bernd Kremer - bis Ende 2012 Direktor - und der kommissarische Direktor Prof. Christoph Röcken dabei.

17.10.2012 | Eiweißablagerungen auflösen – Organschäden verhindern


Neuer Forschungsverbund entwickelt Therapieansätze für bislang unheilbare Bluterkrankung / Amyloidose-Zentrum am Universitätsklinikum Heidelberg koordiniert / klinische Studie soll Ende des Jahres starten / BMBF fördert mit 1,7 Millionen Euro

Wissenschaftler aus ganz Deutschland haben sich zusammengeschlossen, um die Mechanismen einer seltenen und lebensbedrohlichen Bluterkrankung, der systemischen Leichtketten-Amyloidose, aufzuklären. Ziel ist es, neue Therapie¬ansätze für diese bisher unheilbare Krankheit zu entwickeln. Das Bundes¬ministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert den Forschungs¬verbund, der vom Amyloidose-Zentrum des Universitätsklinikums Heidelberg aus koordiniert wird, in den kommenden drei Jahren mit 1,7 Millionen Euro.

Die systemische Leichtketten-Amyloidose wird durch eine Erkrankung des Knochenmarks (monoklonale Gammopathie oder Multiples Myelom) verursacht: Dort sind Immunzellen krankhaft verändert. Sie produzieren anstelle von wirksamen Antikörpern fehlgebildete Eiweiße, die namensgebenden Leichtketten, und geben diese ins Blut ab. Mit der Zeit lagert sich dieses schädliche Eiweiß als sogenanntes Amyloid in verschiedenen Organen ab und schädigt diese nachhaltig. Da die Symptome zunächst Erkrankungen der einzelnen Organe vermuten lassen, wird die Leichtketten-Amyloidose häufig erst spät diagnostiziert. Man schätzt, dass die Erkrankung jährlich bei rund 800 Menschen in Deutschland festgestellt wird.

Die etablierte Behandlung besteht darin, die krankhaft veränderten Blutzellen durch eine Chemotherapie abzutöten und so die weitere Bildung von Amyloid zu verringern oder zu stoppen. Dies gelingt bei ungefähr der Hälfte der Patienten. Allerdings wird das bereits vorhandene Amyloid vom Körper nur in geringem Maße abgebaut, die Organe können sich daher meist nicht vollständig erholen. Besonders die Prognose von Patienten mit fortgeschrittenem Herzbefall ist schlecht: Mehr als die Hälfte von ihnen verstirbt innerhalb weniger Jahre an Herzversagen.

Klinische Studie mit Inhaltsstoff aus Grünem Tee startet voraussichtlich im Dezember 2012

„Was fehlt, ist ein Behandlungsverfahren, um das Amyloid im Körper abzubauen bzw. die schädlichen Eiweiße überhaupt erst daran zu hindern, sich in den Organen festzusetzen“, erklärt Privatdozent Dr. Stefan Schönland, Sprecher und Koordinator des neuen deutschen Forschungs¬verbunds GERAMY (GERman consortium for systemic light-chain AMYloidosis). „Doch dazu wissen wir noch zu wenig über die Eigenschaften des Amyloids und seiner Vorstufen.“ Das soll sich nun ändern. Die insgesamt sieben Arbeitsgruppen aus Heidelberg, Kiel, Halle, München und Berlin arbeiten eng vernetzt und mit verschiedensten Methoden u.a. daran, Aufbau und Struktur des Amyloids aufzuklären, Ansatzpunkte für Medikamente zu identifizieren, neue Wirkstoffe zu entdecken und zu testen.

Der erste Wirkstoff, der im Rahmen dieses Großprojekts untersucht werden soll, ist ein Inhaltsstoff aus Grünem Tee, das Epigallocatechingallat (EGCG). „Vorarbeiten unserer Verbundpartner haben gezeigt, dass EGCG im Reagenzglas fehlgebildete Eiweiße daran hindern kann, sich zu Amyloid zusammenzulagern“, so Schönland vom Heidelberger Amyloidose-Zentrum. Anlass zur Hoffnung geben auch die Berichte einzelner Patienten, die diesen Tee-Inhaltsstoff einnahmen und deren Herzbefall sich besserte. Nun soll eine klinische Studie mit Amyloidose-Patienten am Universitätsklinikum Heidelberg mit umfangreichem wissenschaftlichem Begleitprogramm klären, ob EGCG hält, was es verspricht.

Ergebnisse lassen sich eventuell auch für Behandlung von Alzheimer nutzen

Bis zum Medikament ist es aber noch ein weiter Weg: EGCG ist instabil und wird vom Körper nicht immer ausreichend aufgenommen. Die Wissenschaftler wollen daher neue Wirkstoffe mit den Eigenschaften des EGCG identifizieren, die sich besser als Medikament eignen. Darüber hinaus arbeiten sie an maßgeschneiderten Wirkstoffen, die direkt an der fehlerhaften Struktur der Eiweiße ansetzen. Die Ergebnisse des Forschungsverbunds kommen unter Umständen nicht nur Patienten mit Amyloidose zugute: Amyloid¬ablagerungen spielen auch bei Alzheimer, Parkinson und Diabetes mellitus eine Rolle.

Arbeitsgruppen folgender Institutionen beteiligen sich am Forschungsverbund: Universität und Universitätsklinikum Heidelberg, Christian-Albrechts-Universität Kiel (Prof. Röcken, Institut für Pathologie), Technische Universität München, Max-Planck-Forschungsstelle Halle, Max-Delbrück-Zentrum Berlin.

Weitere Informationen im Internet unter:
www.klinikum.uni-heidelberg.de/GERAMY-nationaler-Forschungsverbund.126172.0.html
www.klinikum.uni-heidelberg.de/Startseite-Amyloidose-Zentrum.117180.0.html

Kontakt in Kiel:
Prof. Dr. med. Christoph Röcken
E-Mail: christoph.roecken@uksh.de